Angeschnittenes Rinderfilet mit rosa Kern und perfekten Röstaromen
Fleischporen lassen sich durch Anbraten nicht verschließen

Fleischporen durch Anbraten schließen, so heißt es seit Jahrzehnten. Deshalb soll man Fleisch zügig und möglichst heiß anbraten, damit sich dessen Poren schließen und das Fleisch schön saftig bleibt. Aber stimmt das?

 

Fleisch hat gar keine Poren!

Fleischporen durch Anbraten schließen, seit 150 Jahren gilt dieser Grundsatz, so haben wir es von Mama & Oma gelernt und auch heute noch ist er in aller Munde, selbst Fachleuten, Fachmedien & Spitzenköche wiederholen in regelmäßig. Das klingt auch irgendwie nett & sogar sehr einleuchtend, ist aber dennoch vollkommen falsch! Nichts und niemand kann Fleisch verschließen! Denn Fleisch besitzt im Gegensatz zur Haut keine Poren.

 

Anbraten für den Geschmack

Das Anbraten ist ein ausschließlich geschmackgebender Prozess, das gilt für die Roulade genauso wie für unser Grillfleisch. Durch die sogenannte Maillard-Reaktion entstehen beim Anbraten geschmacksintensive Röstaromen und die sind der alleinige Grund für das Anbraten von Fleisch.

 

HIER erfährst Du den Zusammenhang zwischen Röstaromen und Zimmertemperatur

 

Das Wasser im Fleisch

Gleichwohl: Fleisch besteht zu ca. 70% aus Wasser, gebunden in den Zellen sowie als freies Wasser dazwischen und dieses Wasser soll nun möglichst im Fleisch verbleiben, denn allein dieses Wasser entscheidet über die Saftigkeit des Fleisches. Scharfes Anbraten ist aber nicht des Rätsels Lösung, um dieses Wasser im Fleisch zu halten, was man sehr leicht daran erkennen kann, dass auch nach sehr kräftigen Anbraten noch immer flächendeckend Saft austritt.

 

Achtung Unterschied

Schwein und Rind müssen unterschiedlich angebraten werden, denn wir mögen sie auch unterschiedlich essen! Allgemeingültigkeitsansprüche gelten nur für Naturgesetze.

 

Fleisch „Versiegelung“?

Führt das Anbraten aber doch zu so einer Art Versiegelung? Ja & nein. Beim Anbraten werden zwar keine Poren „zugebruzzelt“, aber die geronnenen Eiweiße verschließen die Wege des Wassers im Fleisch schon ein wenig, nicht vollständig aber doch recht ordentlich. Interessant daran ist jedoch, dass die Gerinnung des Eiweißes bereits oberhalb von etwa 70°C beginnt. Wir können dies sehr gut im Smoker erkennen: Hier liegt unser Fleisch bei 100…120…150°C und das fertige Stück ist auch ohne jegliches Anbraten wesentlich saftiger als das vom heftigen Grillfeuer.

 

Fazit

Es braucht also keinesfalls das superheiße Anbraten, um die vermeintlichen Poren des Fleisches zu verschließen. Ganz im Gegenteil: Je heißer Fleisch angebraten wird, um so heftiger und intensiver drängt ein Teil des Saftes massiv nach außen, bei gleichzeitig steigender Gefahr des Austrocknens in den Randzonen.